2002  Watson - Diagnose Ataxie


Die Vorgeschichte geschildert von der Besitzerin:

"Im Alter von etwa einen halben Jahr wurde dem Fohlen ein Nabelbruch operiert. Nach Auskunft der Tierärzte ist dabei nichts außergewöhnliches passiert.

Trotzdem konnte das Fohlen nach der Operation nicht mehr richtig laufen, sondern hoppelte wie ein Kaninchen . Die Tierärzte rieten, einfach nicht hinzusehen, das würde sich schon geben.

Ein Jahr später hatte sich der Zustand des kleinen Hengstes so sehr verschlimmert, dass in der Tierklinik Ataxie diagnostiziert wurde. Man riet dringend das Tier einzuschläfern."


Im September 2000 kam Watson zu mir.  Als ich den Jährling das erste mal sah, konnte er nur noch in kleinen Schritten vorwärts gehen. Versuchte er sich zu drehen oder rückwärts zu bewegen, fiel er. Er konnte den Kopf nicht mehr heben und den Hals nicht mehr wenden. Die gesamte Muskulatur des Pferdes fühlte sich hölzern fest an. Die gesamte Wirbelsäule war starr und unbeweglich.

Die Therapie:  

Ich beschäftigte mich mit Watson über einen Zeitraum von 8 Wochen täglich. Die Therapie beinhaltete Massagen, Stresspunkttherapie unterstützt durch physikalische Therapien (vor allem Wärme) und aktive und passive Bewegungstherapie jeder Art.

Watsons Bewegungsmöglichkeiten verbessern sich kontinuierlich von Tag zu Tag.

Bereits nach einer Woche hat sich der Bewegungsradius von Kopf und Hals um ca. 30 % verbessert. In der 2. Woche kann sich das Pferd drehen und beginnt vorsichtig zu traben.

In der dritten Woche beginnt er zu galoppieren.

Nach 4 Wochen fühlt sich die Muskulatur normal an und die Beweglichkeit von Kopf, Hals und gesamter Wirbelsäule ist zu 100 % wieder hergestellt. Watson zeigt allerdings wenig Motivation zur Bewegung und zum dringend notwendigen Muskelaufbautraining. Ich vermute dass es ihm Schmerzen bereitet, die zu lange nicht gedehnte Muskulatur zu trainieren.

Ein Tierarzt gibt über einen Zeitraum von 14 Tagen (7. und 8. Woche der Therapie) Schmerzmittel. Watson reagiert mit deutlicher Lebens- und Bewegungslust. Nach der 8. Woche bewegt sich der Jährling zu 98 % normal und wird in die Herde entlassen.


Im September 2001 besuche ich Watson auf der Sommerweide. Es geht ihm gut. Bei genauer Beobachtung ist zu erkennen dass die linke Hintergliedmaße während der Vorführphase leicht nach außen geführt wird. Dieses Bewegungsmuster ist jedoch so minimal, dass man es nicht  als  echte Störung bezeichnen kann, zumal  sich das Pferd absolut taktrein in jeder Gangart und mit Freude bewegt.

Im Oktober 2002 wird Watson bereits vorsichtig geritten. Es treten keine Probleme auf.


Ein Beitrag von Sabine Bruns

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10 Jahre später


In den vergangenen Jahren habe ich Watson ziemlich regelmäßig besucht. Meistens im Herbst oder Anfang des Winters, denn immer wenn es anfängt kalt zu werden und die Weide- bzw. Freilauf-Zeiten eingeschränkt sind, wird Watson etwas bewegungsunlustig.

Es ist dann zu sehen, dass Wallach zu Beginn der Reitstunde im Bereich der LWS wenig Elastizität zeigt, was sich jedoch nach einigen Minuten gibt.


Watson wurde als Dressurpferd im Freitzeitbereich ausgebildet und hat dabei bis zu einigen Lektionen der Klasse M viel gelernt.


Rückfälle in die Ataxie gab es in den vergangenen Jahren nicht.

Das Pferd macht einen ausgeglichenen und selbstsicheren Eindruck.


In diesem Fall hat sich die äußerst negative Prognose der Tierärzte nicht erfüllt sondern das Pferd hat sich toll entwickelt und ich bin froh, dass die Besitzerin damals den Versuch mit der Tierphysiotherapie gewagt hat.


Dennoch sollten sich Pferdebesitzer und Therapeuten immer klar sein:

Nicht immer verlaufen die Geschichten von Pferden mit der Diagnose Ataxie so positiv.


Manchmal ist es auch so, dass sich ein Pferd zunächst sehr gut entwickelt, dann aber doch einen Rückfall erleidet.


Oft ist es so, dass die Pferde zwar lernen, mit der Rückenmarksschädigung umzugehen und sich gut bewegen können aber trotzdem nicht für den Sport oder sogar den Leistungssport auf dem Turnier eingesetzt werden können, da Unsicherheiten im Bewegungsablauf zurück bleiben.


Sehr viele Ataxie-Patienten neigen ihr Leben lang dazu, sich im Rücken anzuspannen und Fehlhaltungen zu entwickeln.


Sabine Bruns



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