Was können wir für Ihr Tier tun?

Wie arbeitet der Tierphysiotherapeut?

Oben:

Manchmal braucht es etwas Phantasie, die Therapieformen aus dem Humanbereich zu übernehmen. Rudi ist ein Ataxiepatient. Nach einer Rückenmarksschädigung im Alter von 1, 5 Jahren litt er unter massiven Koordinations-störungen. Damals lernte er, mit seinem Therapeuten isometrische Übungen zu absolvieren, was er bis heute vorbildlich durchführt.


 


Foto © Sabine Bruns, 2013

Wie im Humanbereich soll eine Zusammenarbeit mit dem Tierarzt stattfinden.

Patientenüberweisungen zur Physiotherapie beinhalten :

- eine Anamnese

- signifikante Resultate der klinischen Untersuchungen

- klinische Diagnose

- chirurgische Therapie

- Indikationen für die Physiotherapie

- erhoffte Effekte oder Ziele für die Physiotherapie


Der Tierphysiotherapeut hält Behandlungstechniken und Effekte der Physiotherapie in der Krankengeschichte des Patienten fest. Das Behandlungsende wird zwischen dem betreuendem Tierarzt und dem Tierphysiotherapeuten abgesprochen.


Die physiotherapeutischen Anwendungen umfassen:

Massage

Lymphdrainage

Bewegungstherapie (aktive und passive Techniken)

Thermotherapie (Wärme- und Kältereize)

Hydrotherapie (Wasseranwendungen wie z.B. Güsse, Teilbäder, Packungen) Lichttherapie (UV-Licht, IR-Licht, Laser)

Elektrotherapie (Nieder-, Mittel-, Hochfrequenzen, Magnetfeld, Ultraschall)



Die Indikationen für Tierphysiotherapie sind z.B.


beim Pferd / beim Hund:

Muskelprobleme, Altersbeschwerden, Sehnen- und Bänderprobleme, Gelenkprobleme, Rückenprobleme, Bandscheibenvorfall, Rittigkeitsprobleme, HD, Gelenkerkrankungen, Muskelprobleme, Ödeme (angelaufene Beine), Obstipation (Kotabsatzprobleme), Verletzungsfolgen, Lähmungen, Kreislaufprobleme, Sportphysiotherapie für Turnier und Wettkampf


Die Tierphysiotherapie ist ein umfangreiches Gebiet, das mit seinen einzelnen Disziplinen vielfältige therapeutische Maßnahmen zur Verfügung stellt:


Massagen

Manuell oder apparativ ausgeübte Druck- und Zugbewegungen auf Haut, Unterhaut und Muskulatur. Verschiedene Techniken: Klassische (schwedische) Massage, Bindegewebsmassage, Faszientechnik, Kolonmassage u.a.

Wirkung:

Durchblutungsförderung bzw. Ableitung, Tonisierung bzw. Detonisierung der Muskulatur, Schmerzlinderung, Ausschwemmung von Ödemen, Lösen von Adhäsionen, Narbendehnung.


Bewegungstherapie

Passive Bewegungen

Unter Fixation der jeweiligen Knochenendpunkte werden die einzelnen Extremitätengelenke von dorsal bis distal in maximale Beuge- und Streckstellung geführt.

Aktive Bewegungs- und Halteübungen

Propriozeptives Training:

Verbesserung der Muskelansteuerung durch die Nerven bei Gelenkproblemen mittels Training auf labilen Unterlagen

Isometrisches Training: Muskelaufbau durch Halteübungen, Einseitige Extremitätenbelastung, Kräftigung der Muskulatur, Laufen auf Schaumstoffmatten, Bewegung gegen Widerstand zum Muskelaufbau

Parcours: Überwindung von Hindernissen zum Muskelaufbau, Koordinationsübungen mittels Führen durch einen Parcours oder gehen auf schmalen Unterlagen

Laufbandtraining: Rehabilitationsmaßnahmen zum Ausdauertraining, durch 6 % Neigungswinkel des Bandes vermehrtes Aufnehmen des Gewichtes auf die Hinterextremitäten und damit Muskelaufbau, Gangbildtraining.

Reflexauslösung zur Bewegungsinitiation und zum Training der Reflexbahnen bei Paresen.

Auslösung des Muskulatureigenreflexes durch tiefe Querdehnung einzelner Muskelbäuche. Auslösung des Flexor-Reflexes (Zwischenzehenreflexes).

Schwimmen

Bewegungsinitiation, Bewegung gegen Wasserwiderstand zum Muskelaufbau, Gangbildschulung ohne Gewichtsbelastung. Wirkung: Behebung von Muskelatrophien, Kontrakturen, Paresen, Koordinationsschulung, Gangbildschulung.

Traktionsbehandlung

Manuelle Technik der Distraktion von Gelenkflächen bei Arthrosen zur mechanischen Lösung von Gelenkblockaden. Wirkung: Mobilisation und Schmerzlinderung durch reflektorische Entspannung der Muskulatur und Anregung der Synoviaproduktion.

Thermotherapie

Wärmewirkung durch Infrarotstrahlung, Ultraschall, hochfrequente elektrische Ströme, Heißwasserwickel, hyperämisierende Einreibungen, reflektorischen Wärmereiz. Wirkung: Stoffwechselsteigerung, vermehrte Durchblutung der Gewebe, Vasodilatation, Senkung des Muskeltonus und Spasmolyse, dadurch Schmerzlinderung

Kältewirkung durch lokale Auflagen (Hot/Cold-Packs, Eisabreibungen) oder Einreibungen (Kühlgels, bestimmte ätherische Öle). Wirkung: Sofortige Hypalgesie und thermoregulatorische Gegenreaktion (längeranhaltende Hyperämisierung); längere Anwendung führt zur Vasokonstriktion und kann damit zur Entzündungs-, Ödem- und Blutungsbehandlung eingesetzt werden.

Balneotherapie

Behandlung mit natürlichen Heilwässern (Heilquellen: Bestimmter Mindestgehalt an Mineralstoffen), weitestgehend „Badebehandlung“, auch unter Anwendung von mineralischen Badezusätzen oder ätherischen Ölen als Zusatz. Indikation der Zusätze (Wirkstoffe werden aufgenommen, nicht abtrocknen): Rheumabad, Arthrosebad, Sprudelbad (Mikromassage).

Wirkung: Überwiegend rehabilitativ (Kälte  tonisierend; oberhalb der Körpertemperatur  sedierend; Auftriebsbad  Temperatur indifferent).

Hydrotherapie

Wasseranwendungen wie Waschungen, Wickel, Angüsse, Kneippanwendungen (Teilbäder), Abreibungen, Erdarten-Packungen.

Wirkung: Durchblutungsanregung bei Kreislaufschwäche, Tonisierung der behandelten Muskulatur.

Lichttherapie

· UV-Licht: Anregung des Vegetativums, Rekonvaleszenz

· Blaulicht: Rückgang von erhöhten Bilirubinwerten


Elektrotherapie

Galvanisation:  Gleichstrombehandlung, Wirkung: Analgesierend, hyperämisierend, verändernd auf motorische und sensible Schwelle der Muskelfaser

·Niederfrequenztherapie (NF): Reiz oder Impulsströme mit Frequenz von 1 bis 250 Hz, Wirkung: TENS-Analgesie; Stimulation von Nerven und Muskeln, Elektro-Gymnastik.

·Mittelfrequenztherapie (MF): Nutzfrequenz zwischen 4 und 20 kHz

Wirkung: Motorische Reizwirkung, hyperämisierend

· Hochfrequenztherapie (HF):

- Kurzwelle (11m) – 27 MHz

- Dezimeterwelle (69 cm) – 434 MHz

- Mikrowelle (12 cm) – 2450 MHz

Wirkung: Wärmewirkung in tiefen Gewebsschichten (abnehmend von Kurz- zur Mikrowelle)

· Laser: (light amplification by simulated emission of radiation) – gehört im weitesten Sinne zu Lichttherapie. Wirkung:

He-Ne-Laser: Wegen der geringen Eindringstiefe (gerade der Softlaser) umstritten, zur unterstützenden oberflächlichen Wundbehandlung sehr nützlich.

Ga-As-Laser: Mit Eindringungstiefe  1 – 5 cm zur Behandlung von Schmerzen, tiefer gelegenen Entzündungen und Wunden.

· Ultraschall: Mechanische Schwingungen, die außerhalb des Hörbereiches liegen – zählt infolgedessen im weitesten Sinne zur Mechanotherapie. Hochfrequente Vibrationsmassage (Schwingungen von  20.000/sec) mit begrenzter Tiefenwirkungen (wenige Zentimeter im Muskelgewebe), z. Z. bestes Wärmetiefenverfahren, Wirkung: Entzündungshemmend, analgetisch

Gewebeerweichend







© Text und Bilder: AFT interaktiv GBR, Ute Dittmayer, Sabine Bruns



Oben:

Ute Dittmayer mit Max beim Propriozeptiven Training.


Unten:

Eine Orthese zur Gelenkunterstützung

Unser Beruf entwickelt sich ständig weiter. Bereits seit mehreren Jahren arbeiten wir mit Orthopädietechnikern zusammen und bieten entsprechende Fortbildungen für unsere Mitglieder an.

Unten:

Bei der Arbeit mit dem Tier im Unterwasserlaufband braucht der Therapeut viel Fachwissen, um die Belastungsmöglichkeiten des Tieres richtig einzuschätzen.  Hier zeigt Ute Dittmayer, wie ein neuer Patient an das Gerät gewöhnt wird, ohne Angst zu erzeugen.

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